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© 2007
M. Kawashima


Schubert in seiner schönsten Klangpracht

(...) Für Schubert eher untypisch, überwiegt in den schnellen Sätzen das virtuose Element. Souveränität und Präzision kennzeichneten das Akkord- und Oktavenspiel Kawashimas. Gepaart mit seinem herausragenden Gespür für die Musik entwickelte sich ein dichtes Geflecht von Emotionen, wie es schuberttypischer nicht hätte sein können. Ohne übertriebene Attitüde zelebrierte der 33-Jährige den Adagio-Satz der Fantasie. In den ersten Takten vermeinte man unvermittelt den Wanderer aus dem gleichnamigen Schubertlied D. 493 zu hören: "Die Sonne dünkt mich hier so kalt, (...) Ich bin ein Fremdling überall."

Gefühl und Hingabe bis zur Totenglocke

Die Thematik der dichten Athmospäre um Liebe, Emotionen und Tod nahm Kawashima auch im zweiten Teil seines Vortrags auf. Mit "El amor y la muerte" ("Die Liebe und der Tod") aus den "Goyescas", einer musikalischen Erzählung Enrique Granados, bewies der Japaner erneut sein Gespür für das narrative Spiel. Mit traumwandlerischer Sicherheit begleitete Kawashima das liebende Paar durch sehnende lyrische Melodienzweige, die am Schluss des Stückes auf die entfernt aber unnachgiebig klingende Totenglocke zusteuern.
Auch in Rachmaninows "Moments musicaux" kristallisierte Kawashima die einerseits tief melancholischen Seiten mit all ihren Zwischentönen und Schicksalsklängen heraus, andererseits ließ er sich vom rauschhaften Charakter mancher Stücke davontragen. Mühelos gestaltete er sein Spiel mit einem beeindruckendem Reichtum an farblichen und dynamischen Anschlagsnuancen. (...)

Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) / Westfälische Rundschau, Nr. 22 - Freitag, 25. Januar 2007

Schubert mit viel Seele und Brillanz

Neue CD von Preisträger Motoi Kawashima

Schuberts c-Moll-Sonate, die erste der drei letzten Sonaten scheinen die Gewinner des Internationalen Schubert-Wettbewerbs in Dortmund besonders zu mögen. Filippo Faes, Preisträger 1989, hat sie auf seiner Sieger-CD eingespielt, auch Amir Katz, Gewinner des Jahres 2003, und jetzt auch der Japaner Motoi Kawashima, Preisträger des jüngsten Wettbewerbs 2005. Und an der Aufnahme hört man auch, wie der 33-Jährige sein Schubert-Spiel inzwischen verfeinert hat. Im Wettbewerb hat er die Sonate D 958 gespielt - auf der CD, die im Juli im Bochumer Thürmer-Saal aufgenommen worden ist, klingt sie noch spannender, dynamisch viel weiträumiger und in den wechselnden Tempi des ersten Satzes lebendiger. Versunkene Klang-Landschaften gräbt der Berliner in den runden, weichen Klängen des zweiten Satzes aus, brillant und federnd klingt die Rhythmik des Finale.
In Motoi Kawashimas Spiel vereinen sich wunderbar poetisches Denken und Hineinfühlen in die Musik mit einem brillanten Anschlag. Lyrisch und innig spielt er die Liszt-Transkription des Schubert-Liedes "Frühlingsglaube", brillant und temperamentvoll breitet er die virtuose Liszt-Fassung vom Lied ,,Auf dem Wasser zu singen" aus. Beide Bearbeitungen hat Kawashima auch 2005 beim Wettbewerb in Dortmund gespielt.
Viel geistige Tiefe und Substanz hat das Spiel des Japaners. Wenn er mit weichem romantischen Anschlag die dunklen, grüblerischen Klänge der Liszt-Transkription in ,,Isoldes Liebestod" von Wagner erkundet. Oder wenn er die Klavierstimmen in Tschaikowskys "Nussknacker"-Suite glitzern und funkeln lässt.
Diese Fassung der Ballettmusik von Mikhail Pletnev, der Kawashima mit einem elanvollen Spiel zum Teil orchestrale Klangfülle entlockt, ist ein besonderes Juwel - eine Entdeckung, die man sonst kaum in der Klavierfassung hören kann. - JG

Ruhr Nachrichten, Nr. 2 - Mittwoch, 3. Januar 2007